CHAPTER 01 - LAVENDEL

" Seine Worte brennen wie Feuer auf meiner Haut. Sein Lächeln lässt jede noch so graue Wolke verblassen. Den Blick welchen er mir schenkt, lässt meine Gliedmasen erzittern. Es ist wie ein Zauber den er auf mich legt, der für immer an mir haften könnte. Der für immer an mir haften soll. "

So schrieb sie ihre Worte nieder in ihr kleines, himmelblaues Notizbuch. Mit einem erfreuenden Seufzer klappte sie es sorgfältig zu, packte es mit samt den Stift in ihre Tasche und blickte gen Himmel entlang. Rika saß auf dem Dach ihrer Schule, abgeschirmt von den anderen Schülern die sich in Grüppchen zusammen suchten. Ihr Gesicht war mit einem Lächeln gezeichnet, ihr Haar zu einem strengen Zopf gebunden. Der Wind wehte durch ihr Haar und sie liebte diesen Moment, während sie im Schneidersitz ihre Tasche in der Mitte ihres Schoßes hielt. Eine Hand packte ihre Schulter an und zog sie somit aus ihrer Traumwelt. Es war ihre beste Freundin Yurisa, die mit Anhang Ueno sich zu ihr setzte. Erfreulich streckte sie ihr ein Melonen Brötchen entgegen. "Heute waren ganz viele da, ich hab ein paar mehr gekauft, falls du noch magst!" Yurisa öffnete ihr verpacktes Brötchen, biss ab und stöhnte voller Zufriedenheit. " Mit Schokolade sind einfach die besten! Ich weiß gar nicht wie du auf diese Bohnenpaste abfährst, Ueno ..." ganz genervt blickte der Brünette zu ihr und fauchte zurück, ehe er abbiss. "Wäre ja komisch wenn alle den selben Geschmack hätten, nicht wahr?" Während die Mädchen am Boden saßen und den Spätsommer im Rücken spüren, sitzt Ueno auf einer Bank, etwas abgeschirmt von den Damen. "Danke Yuricchan, ich hab fast vergessen dass ich Hunger habe" Dabei verfärbten sich ihre Wangen rötlich und lies ihr ein scheues Grinsen aufs Gesicht wandern. Ihre Freundin grinste ihr zu, während ein Schokofleck sich in ihrem Gesicht seinen Platz einnahm. " Wenn du uns deinen mysteriösen Boyfriend nicht bald mal vorstellst, werde ich noch ganz eifersüchtig!" Ganz wild fuchtelte Rika mit ihren Händen herum, betonte dass es doch noch viel zu früh wäre. Sie waren noch ganz am Anfang, es war noch so frisch und abenteuerlich. Sie wollte erst selbst sehen wie es läuft, ehe sie ihre Freunde ihm vorstellt. "Achso? Ganz frisch? Soweit ich jetzt mitgezählt habe sind das schon knapp fünf Monate, wenn nicht sogar mehr. Nicht wahr, Ueno?" Doch als Antwort bekam die Blondine nur ein leichtes Schulterzucken. Ueno hatte daran nicht so viel Interesse zeigen können an diesem Gespräch, aß lieber sein Brot und machte sich startklar für den nächsten Gong zum Unterricht. Apropos Unterricht, in der nächsten Stunde war Geschichte an der Reihe und soweit Yurisa zurück blicken konnte, würde es wohl eine Arbeit zurück geben. Schockierend verschluckte sie sich fast und wurde etwas lauter. "Die Arbeit! Rika, wir bekommen gleich die Geschichtsarbeit zurück!!" Ganz nervös suchte sie Trost bei ihrer Freundin, die ihr nur ein Lachen entgegen brachte. Yurisa wusste, sie würde nicht gut abschneiden, weil sie nicht gebüffelt hatte, wie es eigentlich Sinn war. Immerhin war bald das letzte Schuljahr angebrochen und das Leben des Erwachsenseins machte keinen halt für solche Trotznasen wie sie eine war. "Mach dir nicht ins Hemd, ändern kannst du es sowieso nicht mehr! Obwohl ich gestehen muss, ich mir auch etwas Sorgen mache ..." Die Beiden können die Gelassenheit ihrer Freundin nicht glauben und seufzen lautstark.

Der Gong ertönte und die Schüler machten sich nach und nach in die Klassenzimmer auf, wie auch die drei Freunde. Sitzend im Klassenzimmer kam dann, wie erwartet, die Geschichtslehrerin mit den Arbeiten herein. "Dieser Notendurchschnitt hätte besser sein können, meine lieben. Ihr solltet für das nächste mal besser vorbereitet sein." Mit einer engen Stimme durchquerte sie das Zimmer und gab jedem seine Arbeit wieder zurück. Zitternd wartete Yurisa auf ihre Aufgabe und als die Lehrerin dann bei ihr halt machte, warf diese ihr einen harten Blick entgegen. Sie legte die Aufgabe ohne ein Wort auf ihren Tisch und Yurisa lies langsam den Blick auf ihre Arbeit fallen und konnte eine ertragbare 70 lesen. Erleichtert lies sie sich auf ihren Tisch fallen, die Hände ausgestreckt zu ihrer Freundin Rika, die direkt vor ihr saß. Fragend ob sie ihre Aufgabe zurück bekam, wandte sich ihre Freundin um, lächelte etwas bedrückt und zeigte ihr die traurigen 30 Punkte auf ihrem Blatt. "Oh nein, nicht schon wieder ... Wenn du nicht bald mehr lernst, musst du wieder in die Ferienkurse gehen! Hast du nicht gesagt Chino würde dir helfen?" Soweit sie sich erinnern kann, war Chino - übrigens der Freund von Rika - ein Geschichtsstudent, aber sicherlich irrte sie sich vielleicht. "Ach, das wird schon. Nur nicht den Kopf hängen lassen, Rika!" sprach sie lachend zu sich und krempelte symbolisch die Ärmel nach oben. Yurisa warf ihr nur einen ungläubigen Blick zu und wandte sich dann zu Ueno, der genau hinter ihr saß. Ohne dass sie etwas sagen musste, hob er das Blatt hoch und eine Punktezahl von 95 Punkten strahlte ihr ins Gesicht. "Ekelhafter Streber." Warf sie bockig ein und drehte sich zurück. Rika hingegen wirkte als hätte sie schon völlig vergessen, was genau da vor ihr lag. Dieses blöde Stück Papier war ihr so wenig wert. Summend sah sie aus dem Fenster, wartete darauf dass endlich Schulschluss war und freute sich auf das Wiedersehen mit ihrem Freund, Kamui. Yurisa schnippste ihr an den Hinterkopf, denn es passte ihr überhaupt nicht dass sie so glücklich war, trotz ihrer miesen Note. "Wie schaffen deine Eltern dass nur mit dir ..." seufzte sie.

Als die letzte Unterrichtsstunde endlich zu ende war, machten sich die Schüler auf dem Weg nach Hause oder in ihre AG. Oder eben sie gehen ihr Taschengeld verdienen, so wie Ueno es tat. "Musst du heute wieder arbeiten, Uneo?" fragte Rika, ehe er durch die Tür verschwand. Er zogte genervt auf, warf ihr nur einen kurzen Blick zu und nickte. "Du solltest dich beeilen, wenn du die Bahn nach Osaka erwischen willst." Monoton lies er die Mädels zurück und machte sich auf dem Weg zu seinem Aushilfsjob. Ein 7/11 in der Nähe vom Kyoto Bahnhof. "Ich werde das Gefühl nicht los,das Ueno Sauer auf mich ist ..." Ja, Rika machte sich schon länger darüber gedanken. Yurisa wusste natürlich genau wieso. Immerhin war Ueno verliebt in Rika gewesen, doch als sie mit der Nachricht ankam, sie habe jemanden kennen gelernt, war er wie ein Puzzle, dass man kurz vor dem vollenden zu Boden fallen lies. Und jetzt musste man dieses langsam wieder zusammenfügen, auch wenn der Boden dabei wackelte. "Ach, der ist nur bockig weil er jetzt arbeiten muss und wir nicht! Naja, ich werde noch schnell in die AG gehen, aber du wirst ja eh gleich fahren nicht?" Natürlich freute sich Yurisa für ihre Freundin dass sie so glücklich verliebt war. Bald kam der Tag, an dem Rika ihren Autounfall hatte. Dann war es genau ein Jahr her und dann kam plötzlich Kamui in ihre Welt und machte aus ihrer depressiven Phase etwas wundervolles. Dafür war sie ihm sehr dankbar, auch wenn sie ihn nicht kannte. Für die schlechten Noten ist sie alledings nicht dankbar.
Als Yurisa sich von Rika verabschiedete und ihr zusah wie sie den Hof entlang sprintete um ihrem Herzen zu folgen, machte sich Yurisa auf dem Weg in die Volleyball Ag. Vorher jedoch hielt ihre Geschichtslehrerin sie noch eben auf. Sensei Shibata war eine Art Vertrauenslehrerin gewesen und nebenbei nicht nur für Geschichte in der Klasse verantwortlich. Als Klassenlehrerin war es ihr auch wichtig dass sie sich um ihre Schüler kümmerte. " Ueda, ich hab eine Bitte ... Ich mache mir sehr große Sorgen um deine Freundin Rika Wakayoshi. Weißt du ob sie irgendwelche Probleme hat? Ich möchte, bevor ich ihre Eltern verunsichere, lieber mit dir reden. Ihre Noten machen mir wahnsinnige Sorgen, auch wenn sie so glücklich wirkt, scheint irgendwas nicht zu stimmen." Völlig verwirrt blickte sie ihre Lehrerin an und schüttelte den Kopf. Sie wusste nichts, nur dass sie verliebt war, mehr nicht. Aber dass wagte sie nicht zu sagen. Sie wusste dass ihre Lehrerin bei dem Thema sehr bitter ist. Sie mochte das nicht. Shibata bat Yurisa sie im Auge zu behalten und in dem Moment blickte sie auf das Tor der Schule, durch dass Rika schon lange verschwand um nach Osaka zu fahren. War dieser Kamui wirklich so gut für sie? ...

Nachdem Rika mit der Keihan Main Linie ihre Stunde hinter sich lies und in Osaka ausstieg, machte sie sich auf einen kleinen Fußmarsch. Ihr Treffpunkt war der Utsubo Park. Ein prachtvoller Park voller Blüten und gerade als Rika ihre Schuluniform zurecht rückte, leuchteten ihre Augen weit auf als sie ihren Kamui sah. Mit langsamen Schritten ging sie auf ihn zu, er hingegen kehrte ihr den Rücken weil er in der ganz anderen Richtung nach ihr Ausschau hielt. Mit einem leichten Buh!, drehte sich ihr Freund um, hielt sich die Brust und rückte seine Brille wieder gerade. In seinem Mundwinkel klebte eine Zigarette die schon halb aufgeraucht war. Weil er wusste wie ungern Rika das sah, machte er sie in seinem handlichen Aschenbecher aus. "Du hast mir so sehr gefehlt, es war eine gefühlte Ewigkeit" Ganz schüchtern und noch wie beim ersten mal, errötete Rika und beide gingen dem Park entlang, während man nur noch den Schatten von ihr wahr nahm.