CHAPTER 02 - MANDARINE

" Wenn das gewobene Band reisst, bleibt uns nichts übrig als ein neues zu spannen. Egal wie Dünn der Faden scheint. Man sieht es nicht, denn man trägt es in sich, wie ein Gefühl, eine Erinnerung die uns Wärme schenkt und das Gefühl bedeutsamer als alles andere zu sein. "

Während an den Fenstern des Klassenzimmers die Vögel vorbei huschten, war Rika vertieft in ihren eigenen Mauern von Gefühlen. Sie versuchte irgendwie den Mathematik Unterricht zu folgen, aber es waren ihr gerade Worte durch den Kopf gegangen die sie so verzauberten, dass dies nicht warten konnte. Diese liesen sie in eine ganz andere Welt tauchen und verbannten die Geräusche des Klassenzimmers, so dass sie nicht bemerkte aufgerufen worden zu sein von Shibata Sensei. Als Ueno ihr einen Stups auf den Hinterkopf verpasste, wachte sie auf und blickte erschrocken auf. " Schön dass du dich entschließt dem Unterricht doch noch beizuwohnen, Wakayoshi. " Ertappt von ihrer Träumerei lief sie Rot an. Und anstatt die Matheaufgabe zu lösen, wird sie aufgefordert nach dem Unterricht sich bei ihr im Lehrerzimmer zu melden. Ärgerlich, wieso denn heute. Es war Mittwoch und sie plante heute mit Kamui sich zu treffen. Genervt darüber, nickte sie nur höflich und erntete gelächter ihrer Schulkameraden.

Als die Mittagspause im vollem Gange war, sammelten Rika, Ueno und Yurisa sich auf dem Dach in einer Ecke mit Schatten. Während alle Kameraden umsie herum lachten, zu Boy Groups tanzten, ware es Yurisa die Rika erneut einen auf den Deckel gab. " Irgendwann - und dass ist sicher bald - wirst du richtig auf die Fresse fliegen! " Damit sprach sie erneut an, wie sehr sie sich gehen lässt, was ihre schulischen Leistungen betrafen. Ueno äußerte sich nicht weiter dazu und aß sein Reisbällchen. " Aua, jetzt übertreib doch nicht. Niemand ist perfekt und ich muss es auch nicht sein! " bockte sie ihrer Freundin zurück, die daraufhin ihre Wangen aufplustern lies. " Das hat nichts mit Perfektion zu tun, sondern mit deiner Zukunft. Ich wollte in den Sommerferien mit dir coole Sachen machen und du wirst das nie erleben weil du in die Kurse musst! " erneut boxte sie ihre Freundin. Quängelnd schupste Rika sie weg, während Ueno sich dann doch zu Wort meldete, vorher jedoch sich aber auf die Beine stellte. Als er das letzte Stück aufaß, drehte er sich leicht von den beiden weg und spielte mit seinem Haaren. Scheinbar war es ihm unangenehm dies zu sagen, denn seine Wangen färbten sich leicht ins rötliche dabei. " Ein Mädchen mit miesen Noten will niemand haben und das wird deinem Freund sicherlich auch bald begreifen. " Ohne auch nur auf die Antwort zu warten, ging er zurück ins Klassenzimmer. Sprachlos blickte Yurisa ihm hinterher während Rikas Augenbrauen sich traurig zusammenzogen und dann von 0 auf 100 wütend aufstand. " Ihr habt doch keine Ahnung, seit erstmal verliebt bevor ihr so über uns urteilt! " sie wurde lauter und stampfte auf dem Boden auf. Einige ihrer Mitschüler fingen an Blicke auf sie zu werfen. Was ist denn mit der los? zündete es aus der Ecke. Auch Yurisa war nun die Wut im Gesicht gestanden, so dass sie sich langsam auf die Beine hob, ihre Freundin abwärtend anblickte und die Arme verschrenkte. " Du merkst wohl nicht was du alles auf's Spiel setzt für deine 'Frühlingsgefühle'. " Auch sie ging ohne ein weiteres Wort von ihrer Freundin. Rika blickte ihrer Freundin mit einem wütenden, wie auch verunsicherten Blick hinterher. Als sie bemerkte wie einige Schüler sie ansahen, ging sie ebenso vom Schuldach.

Der letzte Gong des Unterrichts für den heutigen Tag schlug und Rika räumte lächelnd ihre Sachen in ihre Tasche. Sie vergaß die Außeinandersetzung mit ihren Freunden, als wäre sie nie passiert und wollte gerade Yurisa anstupsen als sie aufstand und ohne ein Wort zu ihr ging. Sie blickte ihr nach und Ueno folgte ihr, ebenso ohne ein Wort zu Rika. Verwirrt und etwas Wut aufstauend, nahm Rika ihre Sachen und verlies die Schule um die Person zu sehen, die hinter ihr stand. Nämlich Kamui. Fröhlich spazierte sie zur Bahn, kramte ihre Kopfhörer hervor und lauschte den Melodien, während sie die lange Fahrt nach Osaka auf sich nahm für einen kurzen Nachmittag.

Sensei Shibata sitzt im Lehrerzimmer und korigierte gerade das letzte Blatt ihres Stapels, als sie seufzend sich zurücklehnte. " Wakayoshi, ... das wird ein Nachspiel für dich haben." Sie blickte auf die Uhr, stand auf und ging. Ihr Weg führte sie durch die fast leeren Flure der Schule, durch den Innehof - rüber zur Sporthalle wo sie schon von der geöffneten Tür sehen konnte, dass das Volleyball Team am Trainieren ist. Angekommen suchte sie Ueda, die fleißig mit den anderen trainierte und winkte sie zu sich. Sie folgte ihrer Lehrerin nach draußen. Erneut befragte sie die gute Freundin ob sie irgendwas von Wakayoshi wusste, da sie nach der Schule nicht ins Lehrerzimmer kam. Shibata hoffte, dass Ueda etwas weiß, doch sie blickte nur besorgt ins leere. " Ueda, ich bitte dich, wenn du irgendetwas weißt, dann lass es mich wissen. Ihr könnt mir alle vertrauen, das wohl meiner Klasse, meiner Schüler ist mir wichtig. Weißt du ob sie noch Probleme hat wegen des Unfalls?" Vor einem Jahr, da hatte Rika einen schweren Autounfall, der sie mit einem schweren Trauma belastete, doch sie lies sich nicht unterkriegen. Von allen Seiten wurde sie unterstützt, sie rehabilitierte und auch in der Schule fand sie guten halt, doch vielleicht würde es zurückschlagen. Yurisa dachte nicht daran, dass es ihr eventuell deswegen schlechter gehen würde, jetzt wo sie jemanden hatte der sie glücklich machte. Andererseits könnte dies alles nur Schein sein. Immerhin hatte sie Kamui bisher nie kennen gelernt, er könnte ebenso ein alter Kerl sein, der ihr Sachen verspricht die Rika annehmen würde, nur um irgendwie auf den Beinen zu bleiben. Ihr wurde übel. " Entschuldigen sie mich bitte, Shibata Sensei, aber ich weiß es nicht. " Dankend ging Shibata wieder zurück, während Yurisa ihr hinterherblickte und sich dann von ihren Spielern verabschiedete zwecks eines Notfalls.

Eilig zog sie sich um, packte ihren Kram und machte sich auf dem Weg zur Bahn richtung Osaka. Sie musste der Sache auf dem Grund gehen. Ging es Rika wirklich gut oder war dies eine stille Fassade um sich selbst zu schützen? Die lange Fahrt lies Yurisa verrückte Dinge im Kopf schmieden die hoffentlich nicht wahr waren. Innerlich hoffte sie dass sie einfach einen guten Kerl traf. Noch im Zug schrieb sie ihrer Freundin, wo sie denn gerade ist und machte ein Foto von einem Park. Laufend druch die befüllte Stadt, gelangte sie in dem Park, sah auf das Bild und versuchte es zuzuordnen und als sie in der Ferne einen Schopf mit rosanen Haaren. Langsam schleichte sie sich zu ihr. Denn sie wollte erstmal nicht dass sie weiß sie sei da. Als sie ihr nah genug kam, saß sie auf einer Bank und redete mit jemanden. Doch ein Baum versperrte ihr die Sicht auf diese Person weshalb sie sich etwas mehr zur Seite zog. Ihre Augen waren weit aufgerissen als sie sah mit wem Rika da eigentlich sprach. Es erschrack sie so sehr, dass sie zu Boden fiel und damit die Aufmerksamkeit von Rika bekam. " Yurisa, was tust du da? Ach, deshalb wolltest du wissen wo ich gerade bin! " Ein beleidigter Unterton war in der Stimme ihrer Freundin wahr zu nehmen, doch sie half Yurisa auf die Beine. " Rika, mit wem hast du gerade geredet? " Verwirrt blickte Rika sie an. " Mit Kamui!" Rika lächelte sie an, blickte zur Bank und sah wieder zu ihr. " Er sagte schon er müsse schnell los und als du mich erschrocken hattest, war er schon sogut wie weg! Ihr habt euch also knapp verpasst" Nein, dachte sich Yurisa. Nein. Sie war sich ganz sicher dass neben Rika niemand saß und auch niemand der einfach so um die Ecke verschwinden konnte. Es war kein Kamui da.